Arbeit für Menschen
mit Erwerbseinschränkung

Im Gespräch mit Andrea Steffen

Engagiert und mit grosser Leidenschaft war Andrea Steffen jahrelang im Verkauf tätig – u.a. auch in leitender Tätigkeit. Nach einer Operation an beiden Kniegelenken war plötzlich klar: eine ganztags stehende Tätigkeit ist ab sofort nicht mehr möglich. Diese Erkenntnis hatte in ihrem Fall gravierende berufliche Einschnitte zur Folge, denn eine Fortführung ihrer bisherigen Tätigkeit war ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich. Nach persönlichen Abklärungs- und Sondierungsgeprächen – u.a. mit der IV – gelangte die 57-jährige Baarerin zu ConSol für ein Arbeitstraining – der Beginn einer erfolgreichen beruflichen Umorientierung.

Frau Steffen, wie war das für Sie, als Ihnen klar wurde, dass Sie Ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben konnten?

Andrea Steffen: Das war zu Beginn nicht ganz einfach. Ich habe meine Tätigkeit im Verkauf geliebt und war mit grosser Begeisterung dabei, vor allem auch wegen des direkten Kontakts zu den Kunden. Als mir klar wurde, dass das zukünftig nicht mehr gehen würde, war das zunächst ein Schock. Auf der anderen Seite war mir von Anfang an klar, dass ich irgendetwas tun möchte; ich wollte nicht von der IV abhängig sein, einfach zuhause bleiben und nichts tun.

Sie wurden zunächst von der IV begleitet?

Ja, ich habe mit meinem Betreuer bei der IV, der sich wirklich sehr für mich eingesetzt hat, in mehreren Gesprächen meine Situation besprochen und ausgelotet, welche möglichen Alternativen es für mich geben könnte. Dabei wurde klar, dass es irgendetwas im Büro sein müsste – also eine mehrheitlich sitzende Tätigkeit, im Idealfall verbunden mit Kontakt zu Menschen, sprich im Kundendienst, am Telefon oder Empfang.

Wie sind Sie auf ConSol gestossen?

Der Tipp kam von meinem IV-Berater. Es verwies mich an ConSol vor allem mit Blick auf ConSol Office, wo im Rahmen von Beruflichen Massnahmen diverse kaufmännische Büroarbeiten angeboten werden. Nach ersten Gesprächen habe ich dann im ConSol Office mit einem Arbeitstraining begonnen. 

Wie haben Sie den Schritt zu ConSol empfunden?

Ich muss gestehen: In den ersten drei Wochen war ich wirklich richtig verzweifelt. Ich habe in meiner Tätigkeit im Verkauf auch immer wieder mit Computer usw. zu tun gehabt, aber bei weitem nicht so intensiv und nicht den ganzen Tag lang. Ich bin im Office zunächst mit dem Thema Buchhaltung, Excel usw. konfrontiert gewesen und habe für mich gemerkt, dass mir das überhaupt nicht entspricht. Ich habe mich immer selbst gefordert im Job und wohl gefühlt und diesen, denke ich, auch erfolgreich gemacht, und jetzt habe ich mich plötzlich wie ein »Dubbeli« gefühlt.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe verstärkt das Gespräch mit meinem zuständigen Job Coach, Lea Widmer, gesucht – und ich muss sagen, dass sich auch andere Fachpersonen Zeit genommen haben für mich. Dabei haben wir uns mehr und mehr auf meine Stärken fokussiert, gemeinsam herausgefiltert, was gut ist, was mir Freude bereitet, was ich am besten kann und welche Kompetenzen noch aufgebaut werden sollten. Schlussendlich bin ich in den Telefonservice gewechselt, was mir viel mehr entsprochen hat.

Wie lange waren Sie im ConSol Office?

Von Januar bis Juni, also zirka ein halbes Jahr.

Wie ist es zu der Anstellung im ersten Arbeitsmarkt gekommen?

Da muss ich Lea Widmer wirklich ein grosses Kränzchen widmen. Sie hat mit grossem Engagement immer wieder versucht, für mich eine Praktikumsstelle zu finden, mir bei Absagen Mut gemacht und mich bei meinen Bewerbungen begleitet. Es war wirklich toll zu spüren, dass sich jemand so engagiert für mich einsetzt – das war auch seitens der anderen Fachpersonen zu spüren. Das Problem war natürlich auch, dass ich nicht mehr die Jüngste bin mit Blick auf den aktuellen Arbeitsmarkt. Schlussendlich hat es aber dann dank einer Blindbewerbung bei einem Treuhandbüro in Zürich geklappt und ich konnte dort ein dreimonatiges Praktikum absolvieren.

Was war dort Ihre Aufgabe?

Empfang, Telefon und diverse Sekretariatsarbeiten. Es war während der Sommer- und Urlaubszeit und da hat das gerade vom Unternehmen her sehr gut gepasst.

Und in diesem Unternehmen arbeiten Sie heute immer noch?

Ja, richtig. Zunächst war das Praktikum auf drei Monate begrenzt und bot mir die Chance, mich in einem neuen Umfeld und in der neuen Aufgabe auszuprobieren. Gegen Ende der offiziellen Praktikumszeit kam dann das Angebot, ob ich den Job nicht dauerhaft machen möchte und bleiben wolle. Das war in dem Moment für mich ein riesen Geschenk – es fühlte sich an wie Weihnachten und Ostern zusammen und hat mich riesig gefreut. Nun bin ich fast seit eineinhalb Jahren bei der Treuhand Catherine Schmid GmbH und fühle mich immer noch sehr sehr wohl.

Wenn Sie auf diese herausfordernde Lebensphase zurückblicken, was ist Ihnen geblieben?

Das Engagement seitens ConSol, allen voran von Lea Widmer. Das hat mir in dieser Phase wirklich sehr gut getan und ich habe mich im Office allgemein und von Seiten Fachpersonal sehr aufgehoben gefühlt. Es war für mich auch eindrücklich, in die Welt von ConSol und den Menschen, die dort arbeiten, einzutauchen und diesen Aspekt unserer Gesellschaft zu erleben. Aber mir war auch immer klar: Ich möchte in jedem Fall wieder etwas tun, ich möchte arbeiten. Und das hat dann zum Glück auch geklappt.

Frau Steffen, herzlichen Dank für das offene Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit Ihrer beruflichen Tätigkeit.


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«Im Rahmen der Gespräche mit meinem Job Coach und meiner Bezugsperson haben wir uns mehr und mehr auf meine Stärken fokussiert, gemeinsam herausgefiltert, was gut ist, was mir Freude bereitet, was ich am besten kann und welche Kompetenzen noch aufgebaut werden sollten.»


Andrea Steffen
ist 57 Jahre alt, wohnhaft in Baar und hat über eine Berufliche Massnahme im ConSol Office wieder eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt gefunden.