Arbeit für Menschen
mit Erwerbseinschränkung

Im Gespräch mit Nadja Gasser

Seit 2007 existiert im Kanton Zug die Strategie bzw. das Programm «Psychische Gesundheit», zu dessen Umsetzung einerseits die kantonale Gesundheitsdirektion und andererseits verschiedene Partnerorganisationen – unter anderen ConSol –
beitragen. Dabei geht es darum, das Thema «Psychische Gesundheit» aktiv zu fördern – mit der Vision, dass alle Zugerinnen und Zuger ihre psychische Gesundheit erhalten und möglichst verbessern können. Wir haben uns rund um dieses Thema mit Nadja Gasser, Programmleiteirn und Mitarbeiterin der Abteilung Gesundheitsförderung und Prävention des Kantonalen Amts für Gesundheit, unterhalten.

Frau Gasser, was sind die konkreten Zielsetzungen des Programms «Psychische Gesundheit» im Kanton Zug?

Nadja Gasser: Es geht darum, dass die Zugerinnen und Zuger ihre psychische Gesundheit erhalten und möglichst verbessern können und dass psychische Erkrankungen vermieden respektive gemildert werden können. Um diese Ziele zu erreichen, hat der Kanton sechs Handlungsfelder definiert, in denen er aktiv wird: Sensibilisieren und Entstigmatisieren, Prävention von psychischen Erkrankungen und Fördern der psychischen Gesundheit, Früherkennung und Frühintervention, Behandlung, (Re-)Integration und Selbsthilfe.

Seit wann gibt es im Kanton Zug dieses Programm?

Da muss man ein bisschen zurückblicken. Das «Zuger Bündnis gegen Depression» wurde im Jahr 2003 gegründet und stellt eigentlich den ersten Akt dar. Das Bündnis ging auf die Initiative des damaligen Ge-sundheitsdirektors und Privater zurück. Es war sogar eines der ersten Bündnisse gegen Depression in Europa und schuf von 2003 bis 2005 eine Basis, auf der noch heute viele Projekte und Hilfsmassnahmen das Verständnis für depressive Störungen und Erkrankungen stärken. 2007 wurde darauf folgend das Konzept «Psychische Gesundheit im Kanton Zug 2007-2012» verabschiedet, zu dessen Umsetzung die Gesundheitsdirektion so-wie verschiedene Partnerorganisationen – unter anderen auch ConSol – beitragen. Aktuell befinden wir uns in der zweiten Strategiephase, gültig für den Zeitraum von 2013 bis 2020.

Die Strategie heisst «Psychische Gesundheit». Wann bin ich denn psychisch gesund?

Die WHO definiert Psychische Gesundheit als «ein Prozess des Wohlbefindens, in dem man seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und in der Gemeinschaft seinen Beitrag leisten kann». Das ist aus meiner Sicht eigentlich eine ganz nachvollziehbare Beschreibung.

Welche Personen oder Organisationen stehen hinter dem Programm?

Zum einen natürlich der Kanton. Daneben tragen – wie bereits angetönt – über 30 Partnerorganisationen zur Umsetzung bei und wirken aktiv mit, angefangen von Fachorganisationen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen, aber auch Psychologinnen und Psychologen, Psychiaterinnen und Psychiater, Kliniken, die Kirchen und Seelsorge wie auch Selbsthilfegruppen und Betroffene. Alle Partner finden sich auch auf der Website www.psychische-gesundheit-zug.ch. So ist zum Beispiel ConSol u.a. eine wichtige Partnerorgani-sation im Handlungsfeld (Re-)Integration.

Was sind Ihre wichtigsten Aktivitäten?

Als Programmleiterin koordiniere ich die Umsetzung der Strategie in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen und setze eigene Massnahmen um. Mitte September organisierten wir etwa eine Filmveranstaltung zur Suizidprävention. Dieser Anlass wurde durch ein Podiumsgespräch mit der Regisseurin als Betroffene und diversen Fachpersonen ergänzt. Einmal im Jahr organisieren wir zudem ein Netzwerktreffen, an dem die Partnerorganisationen über die bisherige Umsetzung und Zielerreichung in ihrem Bereich berichten, gezielt weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit gesucht sowie weitere Ziele und Massnahmen definiert werden. So wurde z.B. im letzten Jahr das Thema «Glück» aufgegriffen und es fand eine vertiefte Auseinandersetzung mit positiver Psychologie und Glück statt. Auch das Thema Einsamkeit wird an diesen Treffen immer wieder als besondere Problematik hervorgehoben. Zudem gehört die Betreuung der Webseite zu meinen Aufgaben, die Umsetzung von Workshops und Unterstützung der Partnerorganisationen bei den Veranstaltungen, wie der Gesundheitsanlass bei ConSol Ende September.

Um was ging es dabei?

Die innerbetriebliche Gesundheitsgruppe von ConSol hat mich kontaktiert, weil sie am diesjährigen Gesundheitsanlass die «10 Schritte für psychische Gesundheit» aufnehmen wollte. Also haben wir gemeinsam einen Parcours zu den «10 Schritten
für psychische Gesundheit» entwickelt und durchgeführt. Das Ziel war, einen aktiven Nachmittag zu gestalten, bei dem Mitarbeitende und Fachpersonen mit allen Sinnen die einzelnen Schritte für psychische Gesundheit an verschiedenen Stationen des Parcours kennenlernen konnten. Zum Schritt «Etwas Kreatives tun» haben die Teilnehmenden zum Beispiel ein ge-meinsames Kunstwerk erstellt, bei der Station «Sich entspannen» gab es eine angeleitete Yogaübung oder zum Aspekt «Darüber reden» wurde ein moderierter Austausch angeboten.

Wie wurde das Programm angenommen?

Ich war selbst vor Ort und hatte den Eindruck, dass es ein voller Erfolg war. Die meisten Angebote an den Stationen wurden mit grosser Begeisterung angenommen und ausprobiert. Durch die aktive Auseinandersetzung konnten die Teilnehmenden für sich entdecken, was sie für die Gesundheit ihrer Psyche tun können. Und es ist ein tolles gemeinsames Kunstwerk entstanden, das sicherlich einen gebührenden Platz bei ConSol finden wird.

Das Programm läuft seit einigen Jahren. Kann man sagen, dass sich in den letzten Jahren hinsichtlich der «Psychischen Ge-sundheit» etwas verändert hat?

Aus unserer Sicht ist das Thema präsenter in der Zuger Bevölkerung: Es gibt heute deutlich mehr Angebote zur Entlastung bzw. Stärkung der psychischen Gesundheit und sie werden rege genutzt. Daraus lässt sich schliessen, dass ein Bedürfnis nach Unterstützungsangeboten besteht. Diese Entwicklungen bestätigen auch die Besucherzahlen unserer Webseite, die sich von 2014 bis 2017 auf über 106‘000 mehr als verdoppelt haben. Auch unsere öffentlichen Veranstaltungen sind gut besucht. Zudem erhalte ich immer wieder direkt Anfragen von Personen aus der Bevölkerung, die ein Angebot suchen. Und ich denke, auch bzgl. der Entstigmatisierung sind wird heute ein grosses Stück weiter als noch vor einigen Jahren.

Frau Gasser, herzlichen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

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«Psychische Gesundheit ist ein Prozess des Wohlbefindens, in dem man seine Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und in der Gemeinschaft seinen Beitrag leisten kann.»

World Health Organization (WHO)


Zur Person Nadja Gasser

Master in Sozialer Arbeit mit Schwerpunkt Soziale Innovation. Seit 2016 Programmleiterin beim Amt für Gesundheit des Kantons Zug. Neben dem kantonalen Programm zur «Gesundheitsförderung im Alter» leitet sie interimistisch das Programm «Psychische Gesundheit».